I. EINFÜHRUNG
Malawi, Republik im Südosten Afrikas, früher britisches Protektorat Njassaland. Das Staatsgebiet grenzt im Norden an Tansania, im Osten an den Malawisee (Njassasee), im Südosten und Süden an Moçambique und im Westen an Sambia. Malawi hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 840 Kilometern bei einer Breite von 80 bis 160 Kilometern. Die Gesamtfläche des Staates beträgt 118 484 Quadratkilometer, wovon ein Viertel Wasserfläche ist. Hauptstadt ist Lilongwe.
II. PHYSISCHE GEOGRAPHIE
Malawi wird von Norden nach Süden vom Ostafrikanischen Grabensystem durchzogen. In diesen tiefen Graben ist der Malawisee (Njassasee) eingebettet, der drittgrößte See Afrikas. Sein Abfluss im Süden, der Shire, mündet in den Sambesi in Moçambique. Westlich und östlich des Ostafrikanischen Grabensystems (Rift Valley) liegen auf 900 bis 1 200 Metern weite Hochebenen, die von einzelnen Gebirgsmassiven überragt werden. Das Nyikaplateau im Norden erreicht eine Höhe von über 2 400 Metern, und das südlich des Malawisees liegende Shirehochland erhebt sich bis über 2 700 Meter.
A. Klima
Malawis Klimazonen verändern sich mit steigender Höhe. Das tiefer gelegene Shiretal ist heiß und trocken mit Temperaturen zwischen 23 und 26 °C. In den Hochländern ist das Klima gemäßigter. Die Regenzeit dauert von November bis April. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen im Hochland bei 1 800 Millimetern, in tieferen Lagen bei 890 Millimetern.
B. Flora und Fauna
Weite Teile des Landes bestehen aus Trockenwald. In den feuchten Bergschluchten und an den Flussufern stehen Nutzholzbestände. Im Hochland wachsen Affenbrotbäume, Akazien und Nadelbäume.
In Malawi lebt ein Großteil der für Afrika typischen Tierarten. Dazu gehören Gepard, Leopard, Elefant, Nashorn, Giraffe, Zebra und mehrere Affen- und Antilopenarten. An den Seeufern sind Flusspferde heimisch. Daneben gibt es eine Vielfalt von Reptilien, darunter Krokodile und Kobras. Der Malawisee ist weltweit derjenige See, in dem die meisten endemischen Fischarten vorkommen.
11,3 Prozent (1997) der Gesamtfläche des Landes stehen unter Naturschutz. Der 94 Quadratkilometer große Malawisee-Nationalpark am südlichen Ende des Malawisees wurde 1984 zum Weltnaturerbe erklärt. Allerdings ist die Wilderei in den Naturschutzgebieten nach wie vor ein Problem.
III. BEVÖLKERUNG
Malawi ist mit 89 Einwohnern pro Quadratkilometer einer der dichtest besiedelten Staaten Afrikas. Die Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 10,5 Millionen (2001). Ein Großteil der Flüchtlinge aus Moçambique kehrte 1994 zurück.
Verwaltungsmäßig ist das Land in drei Regionen und 24 Distrikte unterteilt. Zu den beiden großen Städten des Landes gehört die frühere Hauptstadt Blantyre mit 2 000 000 Einwohnern. Seit 1975 ist Lilongwe mit 1 000 000 Einwohnern Hauptstadt.
Rund 99 Prozent der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner und gehören Bantustämmen an. Die größten ethnischen Gruppen sind die Chewa, Lomwe, Nyanja und Yao. Die übrigen Einwohner, in erster Linie Siedler britischen und indischen Ursprungs, machen weniger als 0,5 Prozent der Bevölkerung aus. 85 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Die Lebenserwartung liegt bei 37,1 Jahren (2001).
A. Religion und Sprache
Rund 65 Prozent der Bewohner Malawis sind Christen, 20 Prozent Anhänger traditioneller Religionen und rund 15 Prozent Muslime. Die Amtssprachen sind Englisch und Chichewa, die zu den Bantusprachen gehört. Weitere verbreitete Bantusprachen sind Lomwe Yao, Sena und Chitumbuka, die als Verkehrssprache benutzt wird.
IV. BILDUNG UND KULTUR
Es besteht keine allgemeine Schulpflicht. 1995 waren an der Universität von Malawi in Zomba (1964 gegründet) einschließlich der ihr angeschlossenen Institutionen 5 561 Studierende eingeschrieben. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei 71,8 Prozent.
V. VERWALTUNG UND POLITIK
Nach der 1966 verabschiedeten Verfassung ist Malawi eine Republik mit einem vom Volk gewählten Präsidenten, der zugleich Regierungschef und Staatsoberhaupt ist. Die Kabinettsminister unterstehen dem Präsidenten.
Die Nationalversammlung (National Assembly) besteht aus 192 vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählten Abgeordneten. Bis zu den ersten nach Einführung des Mehrparteiensystems stattfindenden Wahlen im Mai 1994 gehörten alle Abgeordneten der Malawi Congress Party (MCP) an, der einzigen zugelassenen politischen Partei. Wichtigste Parteien seither sind neben der ehemaligen Einheitspartei die United Democratic Front (UDF) und die Alliance for Democracy (AFORD).
Das Gerichtswesen besteht aus dem Obersten Gericht, dem Berufungsgericht, Verwaltungs-, Amts- und traditionellen Gerichten. Die in allgemeinen Wahlen aufgestellten Ratsversammlungen in Malawis drei Regionen sind für Regierungsaufgaben innerhalb ihres Gebiets zuständig.
VI. WIRTSCHAFT
Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es verfügt nur über wenige Rohstoffe und Bodenschätze, vor allem Marmor und Kalkstein. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 1 810 Millionen US-Dollar (1999; Dienstleistungen 44,6 Prozent, Industrie 17,8 Prozent, Landwirtschaft 37,6 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 170 US-Dollar. 24 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungssektor, 22 Prozent sind in der Industrie, 54 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt. Malawi ist in erster Linie ein Agrarland und Nahrungsmittel-Selbstversorger. Anfang der neunziger Jahre gab es wegen einer großen Dürre schwerwiegende Probleme, da die Grundversorgung nicht mehr gewährleistet werden konnte. Hauptanbauprodukte sind Mais, Zuckerrohr, Früchte, Gemüse und Erdnüsse. Ausgeführt werden Tabak, Tee, Erdnüsse und Zucker. Die der Eigenversorgung dienende Fischereiwirtschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie hat ihren Hauptstandort in Nkhotakota am Westufer des Malawisees. Die jährliche Fangmenge liegt bei 56 564 Tonnen. Der Staatshaushalt wird von einer negativen Handelsbilanz gekennzeichnet. Zahlreiche Malawier arbeiten als Gastarbeiter in der Republik Südafrika und in anderen Ländern.
Das produzierende Gewerbe arbeitet vorwiegend für den Eigenbedarf. Hergestellt werden Nahrungsmittel, alkoholische Getränke, Tabakwaren, Zement, Textilien, Metallwaren und Schuhe.
A. Währung und Außenhandel
1971 wurde Malawis Währung in ein Dezimalsystem umgewandelt. Währungseinheit ist der Kwacha, bestehend aus 100 Tambala. Die Reserve Bank of Malawi (1965 gegründet) gibt die Währung aus.
Importiert werden in erster Linie Fertigwaren, Düngemittel, Maschinen, Kraftfahrzeuge, Textilien und Brennstoffe. Die Haupthandelspartner Malawis sind Großbritannien, Südafrika, die Vereinigten Staaten, Deutschland, Japan, Zimbabwe und die Niederlande.
B. Verkehr und Kommunikation
1980 wurde die Eisenbahnstrecke von Salima nach Mchinji an der sambischen Grenze fertig gestellt. Malawi verfügt über eine Schienenlänge von 789 Kilometern. Das Straßennetz hat eine Gesamtlänge von 16 451 Kilometern (19 Prozent davon sind befestigt). Auf dem Malawisee herrscht ein reger Passagier- und Frachtverkehr. Der internationale Flughafen bei Lilongwe wird von einer Reihe internationaler und regionaler Fluglinien angeflogen; die nationale Fluggesellschaft Air Malawi versieht einen nationalen und internationalen Flugdienst.
Die Regierung betreibt einen Post- und Telegraphendienst. In Blantyre und Lilongwe gibt es jeweils einen Radiosender. 5 Tageszeitungen erscheinen in einer Gesamtauflage von 25 000 Exemplaren.
C. Energie
97,56 Prozent der elektrischen Energie werden in Wasserkraftwerken erzeugt (1999). Der Rest stammt aus Wärmekraftwerken.
VII. GESCHICHTE
Einige Anhaltspunkte deuten auf eine Besiedlung um den Malawisee in der Steinzeit und der Eisenzeit hin. Im 1. Jahrtausend n. Chr. wanderten Bantuvölker in das Gebiet des heutigen Malawi ein. Der Name geht auf das gleichnamige Königreich zurück, das um das 16. Jahrhundert einen schwunghaften Handel mit den Küstengebieten Moçambiques betrieb.
Bereits im 17. Jahrhundert besuchten jesuitische Missionare das Gebiet in der Nähe des Malawisees. Die Europäer wussten aber nichts von diesem See bis zu dem Tag, als der schottische Missionar und Entdecker David Livingstone 1859 dessen Ufer erreichte. Der Einfluss der Europäer begann 1875 und 1876 mit der Errichtung schottischer Missionsstationen. 1883 wurde ein britischer Konsul in das Land entsandt. Einsätze gegen arabische Sklavenjäger und die Angst vor einer portugiesischen Expansion von Moçambique aus führten zu einem weiteren Eingreifen seitens der Briten. Der Entdeckungsreisende und Kolonialbeamte Sir Harry Hamilton Johnston handelte in der Folgezeit mit den einheimischen Herrschern Verträge aus, die 1891 zur Errichtung eines britischen Schutzgebiets führten. 1907 wurde das Gebiet offiziell zum Protektorat Njassaland erklärt.
Während des 1. Weltkrieges (1914-1918) erzürnte sich der afrikanische Geistliche John Chilembwe über die Wehrpflicht seiner Landsleute bei den Kriegshandlungen der Briten und inszenierte einen kurzen, blutigen Aufstand um Blantyre. Dieser Aufstand wird als Vorläufer späterer nationaler Bewegungen betrachtet, die sich nach dem 2. Weltkrieg verstärkten. 1953 wurde das Protektorat für zehn Jahre mit Nord- und Südrhodesien (heute Sambia und Zimbabwe) zur Zentralafrikanischen Föderation verbunden, die niemand außer Großbritannien wirklich wollte. Nach der Auflösung der Föderation 1963 erlangte Njassaland das Recht auf Selbstverwaltung mit Hastings Kamuzu Banda, Führer der Malawi Congress Party (MCP), als erstem Premierminister. Am 6. Juli 1964 wurde das Protektorat unter dem Namen Malawi unabhängig. Am 6. Juli 1966 erfolgte die Ausrufung der Republik, und Premierminister Banda wurde zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt. Mit der im Jahr darauf in Kraft tretenden Verfassungsänderung vom November 1970 wurde Banda Präsident auf Lebenszeit.
Unter Bandas Regime begann in Malawi ein wirksames Programm zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung. Auf internationaler Ebene betrieb Banda eine strenge Politik der Neutralität im Konflikt zwischen Großbritannien und der Regierung (Süd-)Rhodesiens. Da er die Interessen seines Landes in den Vordergrund stellte, unterhielt er weit reichende Handelsbeziehungen mit der weißen Minderheitsregierung Rhodesiens. Er pflegte auch freundschaftliche Beziehungen zu Moçambique (bis 1975 unter portugiesischer Herrschaft). 1967 unterzeichnete er ein Handelsabkommen mit der Republik Südafrika und besuchte so als erstes schwarzafrikanisches Staatsoberhaupt den Apartheidstaat. Seine freundschaftliche Haltung gegenüber Südafrika wurde von den Führern anderer schwarzafrikanischer Länder scharf kritisiert. Daher blieb auch sein Einfluss auf innerafrikanische Angelegenheiten sehr gering.
Die ersten Parlamentswahlen seit der Unabhängigkeit wurden 1978 durchgeführt. Obgleich die MCP als einzige Partei zur Wahl stand, verlor ein Großteil der Amtsinhaber ihre Sitze im Parlament. Auch die Wahlen von 1983, 1987 und 1992 waren auf die MCP begrenzt. Malawis Wirtschaft machte Anfang der neunziger Jahre nur schleppende Fortschritte und war durch die hohe Auslandsverschuldung, Dürrekatastrophen und den Zustrom von Flüchtlingen aus Moçambique schwer belastet. Banda sah sich zunehmender Unzufriedenheit im eigenen Land ausgesetzt und musste internationale Kritik wegen eines Berichts über die Lage der Menschenrechte hinnehmen.
Im Mai 1994 ging Bakili Muluzi als Sieger aus den ersten freien Wahlen hervor, nachdem ein Jahr zuvor das Mehrparteiensystem eingeführt worden war. Seine Partei, die United Democratic Front (UDF), erreichte die absolute Mehrheit der Mandate, und Muluzi wurde neuer Staats- und Regierungschef von Malawi. Bei den Parlamentswahlen vom Juni 1999 wurde die UDF erneut stärkste Partei, verlor aber die absolute Mehrheit. Bakili Muluzi wurde im Amt des Staatsoberhaupts bestätigt.
"Malawi". Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2002
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